Verlorene Bilder

 

ich bin kein zeuge, aber ich war dort zu dieser zeit. / ich datiere eine skzizze. 18. juli 1942 verfasst / in rowno. male mann und frau wie adam und /eva, nackt und vertraut. / und ich schick das / hübsche bildchen nach haus. /die sonne geht auf.

Ein Theaterstück von Gerd Zahner über die deutschen Verbrechen in der Ukraine, den Umgang mit Schuld und die Frage, was Krieg an Kunst zerstört.

Gerd Zahner schreibt zu "Verlorene Bilder":

"Ein Stück deutscher Verdrängung spiegelt sich in Curth Georg Becker, der Ateliernachbar von Paul Klee war, zu den großen Höri-Malern zählte und der als Professor nach dem Krieg Studierende unterrichtete. Über 30 000 Menschen wurden von der SS vor einem Leichengraben erschossen. Kinder, Frauen, Männer. Rowno ist das zweite Babyn Jar. Und einer der großen Künstler schweigt. Er trauert um seine (bei einem Bombenangriff verloren gegangenen) Bilder und begreift nicht, dass die Bilder von Rowno, die nie geschaffenen Bilder des Schreckens, die schmerzhaft verlorenen Bilder sind.   

Wir haben kein Bewusstsein für Babyn Jar und Rowno. Sie sind von uns nicht erfasst und aufgenommen. Die Kunst hat es nicht bearbeitet, die Aufarbeitung ist nie vollzogen. Künstler wie Becker schwiegen. Sie haben es gesehen und schwiegen. Sie entwarfen für sich eine andere Geschichte".

Das Theaterstück, eine Produktion des Kulturzentrums GEMS, wurde im April 2022 in Singen aufgeführt.

Text: Gerd Zahner

Regie: Mark Zurmühle 

Schauspiel: Georg Melich, Andreas Klumpf 

Videoinstallation: Aaron Bircher